10/10/22

Österreichs Lehrlinge stellen Unternehmen ein schlechtes Zeugnis aus

Graz. Eine hybride Umfrage der Grazer Kampagnenagentur Crunchtime kommt zu erschütternden Erkenntnissen, wenn es um das Image und um das Stimmungsbild rund um die Lehrlingssituation in Österreich geht. Im Zeitraum Juli und August 2022 wurden über 500 Jugendliche persönlich und online zum Thema Lehre befragt. 

Beinahe die Hälfte der befragten Jugendlichen gibt an, dass Lehrlinge ein schlechteres Image haben als Schüler:innen, wobei dieses auch überwiegend vom Image des Arbeitgebers abhängt.

Das ist insofern spannend, da sich zwei Drittel der Befragten in einer Lehrausbildung befinden oder befanden. Ausschlaggebende Gründe für eine Entscheidung zu einem Lehrberuf waren überwiegend finanzieller Natur.

Besonders alarmierend für Unternehmen:

  • 30 Prozent der Personen, die sich für eine Lehre entschieden haben, würden diesen Weg nicht nochmal wählen.
  • 42,4 Prozent der Teilnehmenden sagen, dass Menschen, die eine Lehre machen, ein schlechteres Image haben als Leute, die länger zur Schule gehen.
  • Bis zu 2/3 der Teilnehmenden, welche nicht nochmal einen Lehrberuf ergreifen würden, sind der Überzeugung, dass Lehrlinge ausgenutzt werden, wenig Freizeit haben und sich beruflich nach der Lehre nur mehr schwer umorientieren können

Die Ergebnisse der Befragung sind ein Warnschuss für die heimischen Unternehmen und zeigen, dass sie ihren Lehrlingen rundum bessere Bedingungen bieten müssen als bisher“, so Crunchtime-Geschäftsführer Thomas Huber. “Insbesondere, weil aufgrund des demographischen Wandels die Altersgruppe der Personen, die traditionell eine Lehre beginnen, rapide sinkt.

 Diese Entwicklung erfordere ein rasches Umdenken in den Betrieben, um die Zielgruppe wieder erreichen zu können. „Karrierepfade müssen völlig neu gezeichnet werden, abseits der alten Normen, und eine Lehrausbildung muss zu einem Markenzeichen mit Strahlkraft werden – wie es eben auch der Studienabschluss ist. Dieser wird stolz präsentiert und repräsentiert. Lehrabschlüsse geraten hier ins Hintertreffen der Wahrnehmbarkeit, obwohl es aktuell über 100.000 Personen in einer Lehrausbildung gibt“, so Huber.

Zugleich müssen sich Unternehmen aber auch von innen heraus reformieren, eine für die Jugend relevante Marke aufbauen – was jedoch nicht bedeutet, dass Unternehmen ihre Wertepfade verlassen und man zwanghaft berufsjugendlich werden soll, um in Zeiten des Arbeitskräftemangels als Employer of Choice wahrgenommen zu werden. Darunter fällt aber nicht nur Employer Branding, sondern das tatsächliche Schaffen besserer Bedingungen für Lehre, Aus- und Weiterbildungsprogramme“, betont Huber.

27/09/22

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